Erntedank – Freude am Leben

von | Sep 20, 2022

Erntedank – Freude am Leben

Erntedank ist ein zusammengesetztes Wort. Möchte man es farblich ausdrücken, so ist man schnell bei der Nationalflagge der Ukraine: unten das Gelb für die leuchtenden Getreidefelder dieses so fruchtbaren Landes und oben das Blau des Himmels. Wie schön wäre es, wenn wir unbeschwert dem allmächtigen Gott den Dank für die Ernte des Jahres aussprechen und ihm Loblieder singen könnten. Aber die schlimmen Kriegsnöte in der Ukraine und an vielen anderen Orten unserer Welt, sowie die Sorgen um Einkommen und Auskommen, um Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, um die Umwelt und die Zukunft des Lebens auf unserer Erde stellen nicht nur unsere Zuversicht auf eine harte Probe, sondern gefährden auch den Dank für so Vieles, was wir von anderen Menschen, besonders aber von Gott geschenkt bekommen haben.

Dank lebt von der Erinnerung des Guten, das wir empfangen haben. Dankbarkeit ist, nach Jean Baptiste Massieu, das „Gedächtnis des Herzens“. Und Hermann von Bezzel hat den Dank sogar als die „größte Kraft des Lebens“ gewürdigt. Die sollten wir uns nicht nehmen lassen. Die Geschichte der Völker ist nicht nur eine Geschichte der Kriege und Katastrophen, nicht nur eine Erinnerung an die Diktatoren und ein Gedenken der Verbrechen und Unglücke. Im digitalen Zeitalter scheint sich ja manchmal die Last der Unheilsgeschichte des Menschen aus allen Jahrhunderten so wie ein unentrinnbarer Schatten auf uns zu legen. Dabei fällt es schon schwer zu verkraften, was an dem heutigen Tag an Not und Unrecht geschieht.

Was uns bewegt, das prägt uns. Sehen wir nur auf das Negative, versickert unsere Lebensfreude. Natürlich geht es nicht darum, nur das Angenehme wahrzunehmen und alles andere auszublenden. Sondern es geht darum, die ganze Wirklichkeit wahrzunehmen. Und dazu gehört auch sehr viel Wunderbares und Hilfreiches und Schönes und Heiles. Aber es kommt eben nur in unser Leben, wenn wir Augen dafür bekommen, unser Herz öffnen und den Dank wagen.

Trauen wir uns, Lebensmittel als Lebens-Mittel zu sehen und dem Schöpfer zu danken, dass er auch in diesem Jahr wieder so viele verschiedene Früchte der Bäume und Sträucher und Felder hat wachsen lassen. Darin steckt ein Wunder: vom Pflanzen und Wachsen über das Reifen und Ernten. Und dahinter steckt die Liebe Gottes, der unser Leben will und möglich macht und erhält. Wo ich das entdecke, werde ich dankbar. Nicht erzwungen; denn der Blick auf den ewig reichen Gott macht mich fröhlich. Und er macht mich auch zuversichtlich. Denn der Gott, der so große Wunder tut, damit ich mein täglich Brot habe, wird auch nicht ratlos, wenn es um die tausend anderen Dinge geht, die unser Leben und unsere Zukunft gefährden. Gott ist die Quelle des Lebens. Hier hat der Dank seinen ersten Wohnsitz.

Durch das Danken bekommen wir eine neue Perspektive; und auch einen realistischen Blick auf die vielen Probleme, die uns nur zu leicht die Freude am Danken und gerade am Erntedank verderben. Lebensmittel müssen bezahlbar bleiben. Und sie müssen gerecht verteilt werden. Und sicher müssen sie wertgeschätzt werden. Wir brauchen wieder ein Empfinden dafür, was unser Leben erhält und ernährt, und für das, was darüber hinaus geht. Für Manche kann es ein Heilungsprozess sein, den Gürtel enger schnallen zu dürfen. Aber nur dann, wenn der Dank an Gott nicht fehlt, der uns in unserem Land noch weit ausreichend zu essen gibt.

Wer in den geschmückten Kirchen die Erntegaben betrachtet, oder wer sich die Statistiken über die eingebrachten Früchte und Lebensmittel ansieht, darf sich vergewissern: Hier war jemand am Werk, der für mein Leben sorgt. So ein Erntedank macht unser Leben reich; und er macht Mut, den weiteren Weg mit diesem Gott der Weisheit und Liebe zu wagen. Der große Literat Matthias Claudius hat dies in die zeitlos schönen Worte gefasst: „ER sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein und wickelt Seinen Segen gar zart und künstlich ein, und bringt ihn dann behende in unser Feld und Brot: Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott. Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, und hofft auf ihn!“ So lässt sich auch in Krisenzeiten die Lebensfreude ganz neu lernen. Herzliche Einladung zum Erntedank!

 

Pfarrer: Manfred Schmitt, Pfarrer in Unterasbach-Frickenfelden und Oberasbach-Obenbrunn

 

Bild: Erntedank in Wachstein

© Jürgen Lechner, Wachstein

 

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