Weihnachtsgrüße 2024 aus Dittenheim

von | Dez 23, 2023

Weihnachtsgruß aus Dittenheim

„Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade,
darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade.
Ein Wohlgefalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.“ (EG 179,1).
Und: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30)

Ich glaub, ich bin im falschen Film: Ähm, Walter Krewin, was soll das? Überall weihnachtet es doch. Was soll dann dein bizarrer Weihnachtsgruß an alle Leserinnen und Leser der Zeitung? Ein Gruß, der scheinbar jede sentimentale, gefühlsbetonte, weihnachtliche Stimmung und jegliche Romantik vermissen lässt? Irritiert?

Gut, dann habe ich genau den Punkt getroffen. Denn an Weihnachten geht es gegen alle landläufige Meinung nun mal nicht um einen zauberhaften Traum oder eine Märchenwelt, sondern um Gottes unendliche Liebe. „Darin“, so schreibt Johannes in einem seiner Briefe (1. Johannes 4,9), „darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen“.

Zugegeben: Ich liebe biblisch fundierte Provokationen, mit denen ich immer wieder auch angeeckt und sogar auf Unverständnis und Ablehnung gestoßen bin. Aber ich bin kein Weihnachtsmuffel. Die Zeit vor Weihnachten ist auch für mich etwas Besonderes. Weihnachtsdeko, Kerzenlicht sind selbstverständlich. Auch an so manchem Besuch eines Weihnachtsmarktes erinnere ich mich gern. Zwar hatten mich beim ersten Besuch auf dem Dresdner Striezelmarkt die Kochtöpfe und Haushaltswaren etwas überrascht – vom Nürnberger Christkindlesmarkt war man so etwas nicht gewohnt, aber die abendliche Fahrt durch das Lichtermeer im Erzgebirge oder die Hunderttausende von Lichtern bei der Kuchlbauer Turmweihnacht in Abensberg erzeugten auch bei mir Gänsehautstimmung. Und auch meine Trompete kann ein Lied davon „singen“, wenn ich Advents- und Weihnachtslieder rauf und runter spiele. Übrigens: Meiner Ärztin habe ich bereits im November weihnachtliches Gebäck aus meiner alten Heimat als kleines Dankeschön mitgebracht.

Nein, ich bin kein Weihnachtsmuffel, wieso sollte ich auch, schließlich gibt es etwas Weltbewegendes zu feiern. Denn es ist erschienen die Gnade Gottes heilbringend für alle Menschen (so von mir wörtlich übersetzt) oder wie wir in der Lutherbibel lesen können: „Es ist erschienen die heilsame Gnade allen Menschen“ (Titus 2,11). Genau um dieses weltgeschichtliche Ereignis geht es im Grunde einzig und allein an Weihnachten. Alles andere ist mehr oder weniger nur Beiwerk. Und es ist traurig und macht mich traurig: Jedes Jahr erleben unzählige Menschen das Weihnachtsfest ohne Gott, ohne Jesus Christus, ohne darüber nachzudenken, warum wir eigentlich Weihnachten feiern, und begnügen sich mit entstellenden Surrogaten. Dabei setzt Gott neue Maßstäbe und hat sie gesetzt. Er will uns erreichen, wo und wie wir sind.

„Die Gnade Gottes ist erschienen …“ – im Elend dieser desolaten Katastrophenwelt mit allen ihren Lasten und Leiden. Sicher: „Gnade Gottes“ klingt auf den ersten Blick nicht gerade weihnachtlich. Das mag sein. Doch was dahintersteckt, ist das alles Entscheidendste, nämlich Gottes Entschluss, uns Menschen aus der Verlorenheit der Welt herauszuholen. Gott wurde in Jesus Christus Mensch, anpassbar, angreifbar, verletzlich und doch sehr wirksam handelnd in dieser Welt.

Lassen wir uns nicht täuschen: Die biblischen Weihnachtsgeschichten haben grundsätzlich mit sentimentaler Stimmung nichts zu tun. Krippenspiele sind gut gemeint, aber sie vermitteln oft ein falsches Bild. Die Fakten sind allesamt nüchtern, obwohl das Ereignis sensationell ist. Gott aber zieht mit der Geburt seines Sohnes nicht ein alles vernichtendes Fazit, sondern schafft in Jesus Christus selbst das rettende Faktum: „Welt ging verloren, Christ ist geboren“ (EG 44,1) und „Christ ist erschienen, uns zu versühnen“ (EG 44,2). So beginnt in Bethlehem mit dem Kind in der Krippe der Weg der heilsamen Gnade Gottes mit dem menschlichen Lebensweg des Retters. Diesen Weg ist er konsequent weitergegangen bis ans Kreuz von Golgatha. An jenem Nachmittag – als sich der Himmel verdunkelte, der Vorhang im Tempel zum Allerheiligsten zerriss und der Sohn Gottes ausrief: „Es ist vollbracht“ (Johannes 19,30), – wurde vollendet, was an Weihnachten angefangen hatte: unsere Erlösung. Oder um es mit einer Strophe aus meinem Lieblingsweihnachtslied zum Ausdruck zu bringen: „Er (Jesus Christus) nimmt auf sich, was auf Erden wir getan, gibt sich dran, unser Lamm zu werden, unser Lamm, das für uns stirbet und bei Gott für den Tod Gnad und Fried erwirbet“ (EG 36,4). Das heißt: Erst am Kreuz kommt Gottes Gnade an ihr Ziel. Wer zu diesem Sinn des Weihnachtsfestes nicht vorstößt, geht an dem Geschehen von Weihnachten vorbei.

Stellt sich zuletzt nur noch die Frage: Was legitimiert dich und mich als Empfänger der Gnade?
Antwort: Allein der Glaube an Jesus Christus (Galater 2,16). Ihn als meinen Herrn von Herzen annehmen und mit ihm in einer lebendigen Beziehung leben wollen, das ist die Bedingung. Im Johannesevangelium (Kapitel 5,24 und 6,47) sagt Jesus selber: „Wer [an ihn, den Sohn] glaubt, der hat das ewige Leben“. So einfach ist das – und doch so schwer für so viele.

Als der Engel damals den Hirten auf dem Feld die frohe Botschaft von der Geburt des Retters verkündigt hatte, „war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Lukas 2,13-14) – also: „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ (EG 179,1). So frage ich zum Schluss: Warum eigentlich Weihnachten 2023 nicht auch so feiern: wie im Himmel! – „Himmlische Heere jauchzen dir Ehre“ (EG 44,3)- so auf Erden.
Denn: „Es ist vollbracht!“

In diesem Sinne gnadenvolle und gesegnete Weihnachten! Walter Krewin, Pfarrer

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