Bericht Frühjahrssynode 2021

von | Apr 30, 2021

Von 22.März bis 26.März.2021 tagte die Bayerische Landessynode zum zweiten Mal in hybrider Form. Das Präsidium mit Schriftführerinnen tagte – begleitet von den Technikern und dem organisatorischen und theologischen Referenten – vor Ort im Landeskirchenamt in München, die Synodalen, Oberkirchenräte und Gäste zuhause vor ihren Bildschirmen.

Auch in dieser Synode wurden die Herausforderungen deutlich mit physischer Distanz gemeinsame Wege zu beschreiten. Dies erforderte von allen Beteiligten ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Verständnis füreinander sowie eine große Disziplin. Groß ist die Versuchung um innerkirchliche Problemstellungen zu kreisen. Auch eigene Befindlichkeiten suchen Platz und Raum, denn auch jede*r Synodale ist betroffen von der Pandemie und deren Auswirkungen.
Hier hilft es immer wieder den Blick auf die Gemeinschaft zu lenken: hin zu Solidarität mit unseren Partnerkirchen, hin zu den Menschen, die Unterstützung und Hilfe brauchen, hin zu Menschen, die auf der Suche nach Halt und Geborgenheit sind. Gott und die frohe Botschaft immer wieder in die Mitte zu stellen, ist hier im wahrsten Sinne des Wortes Evangelisch (evangelisch bedeutet frohe Botschaft) unser Auftrag als Evangelisch-lutherische Kirche in Bayern. Dies gilt es meines Erachtens – gerade in der verantwortlichen Leitungsebene – immer wieder in Erinnerung zu rufen.

An folgenden zwei Themenfeldern kann das Dilemma zwischen „Was braucht es innerkirchlich“ und „Was brauchen die Menschen vor Ort jetzt und zukünftig“ näher beleuchtet werden.

Die Landesstellenplanung:

Mit großer Mehrheit haben die 108 Landessynodalen die Landesstellenplanung 2020 beschlossen.

Worum geht es bei der Landesstellenplanung? Die Zahl der Stellen wird an die veränderte Zahl der Gemeindeglieder angepasst. Dabei wird das Verhältnis von Gemeindegliedern pro Pfarrer/-in nicht verändert und bleibt bei rund 1500 Gemeindegliedern pro Pfarrer/-in. In der Formel für die Berechnung der Zahl der Stellen werden die Zahl der Gemeindeglieder, die Fläche der Kirchengemeinde und die Größe bzw. Zahl der Kirchengemeinden, die ein/e Pfarrer/-in betreut, berücksichtigt. Da die Zahl der Kirchenmitglieder bayernweit von 2010 bis 2019 um 12,25 Prozent gesunken ist, werden mit der Landesstellenplanung 2020 die Stellen im bayernweiten Durchschnitt um 10 Prozent reduziert. Regional ergeben sich große Unterschiede: In vier Dekanaten bleibt die Stellenzahl gleich oder wächst, in 62 Dekanaten sinkt die Stellenzahl.

Was ist neu? Flexibilität und Gestaltungsfreiheit für die Dekanate und Gemeinden. Sie tragen somit auch die Verantwortung für Ihre Entscheidungen. Wie die berechneten Stellen in einem Dekanatsbezirk verteilt werden und was auf einer Stelle inhaltlich gemacht werden soll, das kann künftig vor Ort beraten und entschieden werden. Dort weiß man am besten, was die Gemeindeglieder brauchen. Die Kirchenleitung lässt hier die notwendigen Freiräume: Das Landeskirchenamt bietet seine Beratung für die Erarbeitung der inhaltlichen Verteilungskonzepte an, aber eine Genehmigung dieser Konzepte ist nicht erforderlich.
Das neue Erprobungsgesetz öffnet neue Spielräume. Bis zu 20 Prozent der Stellen können auch berufsgruppenübergreifend besetzt werden: Etwa um die Jugendarbeit zu stärken, könnte eine Pfarrstelle mit einer Diakonin besetzt werden. Oder wo mehr Seelsorge geleistet werden soll, kann die Stelle eines Religionspädagogen mit einer Pfarrerin besetzt werden. Neu ist auch die Möglichkeit von „funktionalen Sprengeln“: Wenn die Kirchenvorstände das befürworten, kann ein hauptamtlicher Mitarbeiter einer Gemeinde auch die Pfarramtsführung einer Nachbargemeinde mit übernehmen. Gleiches gilt für andere Arbeitsfelder in der Gemeinde.

Eines sollte nicht vergessen werden, so Personalchef Oberkirchenrat Stefan Reimers vor der Synode: Weil in den kommenden Jahren starke Geburtsjahrgänge in den Ruhestand gehen, wird es trotz der zehn Prozent Kürzung von Stellen ab 2025 mehr Stellen geben als Pfarrer/-innen. Darum werde es in Zukunft sehr darauf ankommen, dass die Kirche für junge Leute eine attraktive Arbeitgeberin bleibt.

 

Thementag: „Glaube in verletzlicher Zeit“. Eine theologische und persönliche Tiefenbohrung.

Die Erfahrung der Synodalen im Austausch machte deutlich, dass die Pandemie den eigenen Glauben eher stärkt. Wie können wir unseren Glauben und unsere Hoffnung nach Außen bringen, hin zu den Menschen? Wir alle sind „Karsamstagskinder“ – zwischen Leid und Hoffnung, zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Im Dazwischen. Das kann Druck nehmen, entlasten. „Wir müssen nicht perfekt sein.“ Das spricht uns nicht frei, Verantwortung zu übernehmen. Doch vielleicht steckt in diesem Menschlich-Sein eine Chance, eine lebendige ehrliche Kirche im Hier & Jetzt und zukünftig zu gestalten.

Welche Konsequenzen hat die Corona-Pandemie für Glauben und Kirchenleitung?
„Glaube in verletzlicher Zeit“ – unter dieser Überschrift haben sich die Synodalen einen Tag lang mit der Frage befasst, welche Konsequenzen die Erfahrungen der Pandemie für den christlichen Glauben und die Kirchenleitung haben. Erfahrungen aus erster Hand bekamen die Synodalen von der Trauma-Pädagogin Martina Bock und von Professor Marcus Schlemmer, dem Chefarzt der Klinik für Palliativmedizin im Münchner Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Am Nachmittag gab es theologische Impulse von Petra Bahr, Regionalbischöfin in der Hannoverschen Landeskirche, und Günter Thomas, Professor für Systematische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum.
Die Trauma-Pädagogin Martina Bock beschrieb Corona als eine Verletzung für jeden einzelnen Menschen, aber auch für die ganze Gesellschaft, die man ernst nehmen muss. Frieden würden Menschen dann finden, wenn sie den Mut haben, sich im Vertrauen auf den auferstandenen Christus diese Verletzung einzugestehen und miteinander offen darüber zu sprechen. Sonst bestehe die Gefahr, dass man immer nur anderen die Schuld gebe und sich zerstreite. Der Palliativ-Chefarzt Marcus Schlemmer berichtete, dass er von schwerkranken Menschen gelernt habe, was das Wichtigste sei: die Begegnung mit Menschen, die wir lieben, und die Begegnung mit Gott. Schwerkranke Menschen leiden nicht nur an seelischen, an sozialen und körperlichen Schmerzen, sondern auch an einem geistlichen Schmerz, der besonders am Ende des Lebens spürbar wird. Am Bild des sterbenden Christus von Matthias Grünewald auf dem Isenheimer Altar zeigte Petra Bahr, Regionalbischöfin in der Hannoverschen Landeskirche, wie reizbar, verletzlich und dünnhäutig die Corona-Pandemie viele Menschen gemacht habe. In dieser Situation hätten Christen den Auftrag, von einem Leben in der Fülle zu sprechen, wie es sich Gott vorstellt. Auch müde und erschöpfte Menschen in der Kirche könnten diesem Auftrag gerecht werden, so Bahr, indem sie sich stärken lassen von Gott und Andere stärken – so wie im Alten Testament der Engel den Propheten Elia mit Brot und Wasser stärkt. Interessierte konnten den gesamten öffentlichen Teil der Synodaltagung per Livestream verfolgen. Der Bochumer Theologieprofessor Günter Thomas sprach darüber, dass die Corona-Krise drei Verwundungen offengelegt habe: die spirituelle Verwundung der Christen, die biologische Verletzlichkeit der Menschen und die organisatorische Verletzlichkeit der Kirche. Viele Christen sind enttäuscht, dass Gott sie nicht vor Corona beschützt hat. Die angemessene Antwort auf diese Enttäuschung ist die Klage an Gott. Wer nicht mehr klagt, rechnet nicht mehr ernsthaft damit, dass Gott helfen kann. „Ja, wir brauchen Klagemauern. Wir brauchen diese tausend Ritzen, in die Menschen ihre Seufzer und ihren Schmerz so anonym wie persönlich stecken können“, sagte Thomas. Christen müssten nicht die Helden spielen. Ein Drittel der Psalmen im Alten Testament seien Klagen. „Das Klagen gegen Gott zuzulassen, erfordert Mut, aber ich denke, viele Menschen warten darauf“, so Thomas. Weiter sagte Professor Thomas, dass wir ehrlich sein und akzeptieren sollten, dass nicht nur die Bewahrung der Natur, sondern auch die Notwendigkeit der Bekämpfung der lebensbedrohlichen Seiten der Natur (wie etwa ein tödlicher Virus oder Naturkatastrophen) in der Kirche zur Sprache kommen sollte. Schließlich sagte Thomas, dass sich viele Menschen trotz oder gerade wegen der zahlreichen online-Gottesdienste nach körperlicher Berührung sehnen. Kirche lebt wesentlich von sinnlichen Begegnungen und Handlungen (wie etwa dem Abendmahl oder der Taufe).

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel bedankte sich am Ende des Thementags für die theologische Tiefenbohrung in einer Zeit großer Verletzlichkeit. Der Tag sei auch für das Miteinander der Synodalen sehr wichtig gewesen und habe für das gemeinsame Handeln aller kirchenleitenden Organe starke Impulse gegeben, „die wir jetzt nach und nach weiterentwickeln werden“. Das richtige Thema zur richtigen Zeit, fasste Sie kurz zusammen.

 

 

 

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