17.09.2022 Pfarrerin Agnes Müller-Grünwedel, Einführungsgottesdienst

von | Sep 20, 2022

Bereit für die neue Aufgabe

 

Gottesdienst Pfarrerin Agnes Müller-Grünwedel ist nun für Absberg und Spalt zuständig.

ABSBERG/SPALT – Mit einem Einführungsgottesdienst in der Christuskirche in Absberg hat Pfarrerin Agnes Müller-Grünwedel ihren Dienst in den beiden evangelischen Kirchengemeinden Absberg und Spalt angetreten.

In der Einführungsansprache stellte Dekan Klaus Mendel fest, dass aus Tätigkeiten für die Mission EineWelt in Neuendettelsau bereits einige Pfarrerinnen und Pfarrer den Weg in das Dekanat Gunzenhausen fanden. Nun auch im Fall von Pfarrerin Agnes Müller-Grünwedel, die zuletzt mit Ehemann Pfarrer Heiko Grünwedel in Brasilien tätig war. Wegen Corona fand die Familie zunächst Bleibe in Neuendettelsau.

„Es ist gut wenn man in einen anderen Land tätig war und nun in Kirchengemeinden kommt, um Neues zu erfahren und umzusetzen, so Mendel. Die Ernennungsurkunde, ausgegeben vom Landeskirchenamt München, verlas der Senior des Gunzenhäuser Pfarrkapitels, und Vorgänger im Absberg-Spalter Amt, Pfarrer Dietmar F. Schuh.

Unter Assistenz von Pfarrerin Dorothee Stadler (Pfofeld), Pfarrer Geraldo Grützmann (Mission EineWelt) sowie den beiden Vertrauensleuten Petra Frieß (Absberg) und Angelika Walter (Spalt) erfolgte die Einsegnung ins Amt durch den Dekan. Erstmals betrat die Seelsorgerin die Kanzel, um Predigtworte an die Gemeindeglieder und Gäste zu richten. Sie ging auf die große Unsicherheit in der heutigen Zeit ein. Dieser Gottesdienst diene zu einem Neuanfang für die beiden Kirchengemeinden Absberg und Spalt – und für sie selbst auch. Sie wünsche sich, dass die Menschen nicht verzweifeln, sondern sich an die christliche Verheißung erinnern. Der Gottesdienst wurde mitgestaltet von Organist Wolf-Dieter Süßenguth und dem Posaunenchor, Leitung Julia Fuchs.

Grußworte sprachen stellvertretender Landrat Günter Obermeyer, Bürgermeister Helmut Schmaußer, Dieter Selz als 2. Bürgermeister von Spalt und Pfarrer Gerhard Grössl für die katholische Pfarrgemeinde. Ein herzliches Willkommen äußerten außerdem Pfarrerin Antonia Pohler von der Nachbarkirchengemeinde Kalbensteinberg und nochmals Pfarrer Dietmar F. Schuh namens des Gunzenhäuser Pfarrkapitels.

Vor dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus hatten sich die Kindergottesdienstkinder aufgestellt und begrüßten die Pfarrerin mit dem Lied „Einfach Spitze, dass Du da bist“. Im Anschluss bestand für alle Gottesdienstbesucher die Möglichkeit, bei einem reichhaltigen Büfett erste Kontakte mit der neuen Seelsorgerin Agnes Müller-Grünwedel und ihrer Familie zu knüpfen. kuhn

Bild: Pfarrerin Agnes Müller-Grünwedel beim Einzug mit Dekan Klaus Mendel (rechts), dem stellvertretenden Dekan Walter Krewin (links) und Senior Pfarrer Dietmar F. Schuh. (Foto: Horst Kuhn), Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 21. September 2022 © Text und Foto; Horst Kuhn

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 Liebe Gemeinde!

Finster ists draußen. Ich laufe auf einem Wiesenweg. Das Gras ist nass. Mit meinen glatten Schuhsohlen muss ich schon aufpassen, dass ich nicht ausrutsche. Am Waldrand strecken mir die Fichten ihre dürren Ärmchen entgegen. Beinahe stolpere ich über eine Wurzel. Gerade so kann ich den Weg in den Wald erkennen. Ich lausche. Was sind das für Geräusche? Neben mir raschelt etwas. Mein Herz klopft. Adrenalin rauscht durch meinen Körper – ich habe Angst.

Was ist das? Was erwartet mich hier in der Dunkelheit? Was begegnet mir hier auf dem Weg? Unterwegs- Sein in der Finsternis. Nicht wissen was einen erwartet. Sorge. Angst. Unsicherheit. Wo laufe ich am besten? Wie komme ich sicher an mein Ziel? Unterwegs-Sein bei Nacht. Wenn ich an die Zeit denke, die vor uns liegt, eine unsichere Zeit in der wir ja schon mitten drin stecken. Da fühle ich ganz ähnlich, da habe ich ähnliche Assoziationen. Ich denke ich brauch bloß ein paar Stichworte zu nennen: Preissteigerung, Energiekrise, Black-Out, Krieg, Pandemie, …Sorge. Angst. Unsicherheit.  Nicht wissen, was kommt. Was erwartet uns noch? Wie soll das nur weitergehen? Immer wieder erleben Menschen solche Zeiten, Momente, Situationen im Laufe ihres Lebens. Jetzt und in den vergangenen Jahren vielleicht nochmal in einer anderen Dimension.

Heute sind wir hier um einen Neuanfang zu feiern für die beiden Kirchengemeinden Absberg und Spalt und für mich, die ich hier nun Pfarrerin bin. In aller Freude haben wir auch hier im Hinterkopf: Wie wird es weiter gehen mit unseren Gemeinden, mit unserer Kirche? Ich möchte heute von einem Mann und einer Frau erzählen, denen es ganz ähnlich ging. Sie waren unterwegs. Auf der Suche nach einer neuen Heimat/ nach einer neuen Zukunft. Immer wieder sind sie verzweifelt. Es gab Streit, Zerwürfnisse mit Verwandten, eine Hungersnot kam. Immer wieder waren sie von Finsternis umgeben und hatten große Angst. Ihre größte Sorge war aber, dass sie kein Kind hatten und damit keine Zukunft.Und das, obwohl am Anfang ihres Wegs eine Verheißung gestanden war.

Ich lese aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 12. Die Verse 1 -4: 121Der Herr sagte zu Abram: »Verlass dein Land, deine Verwandtschaft und das Haus deines Vaters! Geh in das Land, das ich dir zeigen werde!2Ich will dich zum Stammvatereines großen Volkes machen. Ich will dich segnen und deinen Namen groß machen, sodass du ein Segen sein wirst.3Ich werde die segnen, die dich segnen. Wer dir aber Böses wünscht, den werde ich verfluchen. Alle Völker der Erde sollen durch dich gesegnet werden.«4Da ging Abram los, wie der Herr es ihm befohlen hatte.

Gott sagt zu Abraham: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ Segen, was ist das eigentlich? Stellen Sie sich mal vor Sie sind in einer Blase. Eine Schutzschicht umgibt Sie. Alles was draußen passiert, kann Ihnen gar nichts. Sie sind abgeschirmt von dem da draußen. Sie frieren nicht, sie spüren nichts, sie hören alles nur gedämpft. Die schlechten Gefühle anderer Menschen machen ihnen gar nichts aus. Denn sie kommen nicht an sie ran. Sie brauchen vor nichts Angst zu haben. Und Sie haben auch keine Sorgen. Da ist etwas um sie herum, das Sie abschirmt. Sie sind sicher, ihnen kann nichts passieren. Das ist Segen nicht. Natürlich wäre es super, wenn wir uns keine Sorgen machen müssten. Wenn wir keine Angst hätten. Wenn wir wüssten unseren Lieben geht es immer gut. Das wär was! Aber in so einer Blase. Abgeschirmt von Allem. Da wären wir auch abgeschirmt von Allem, was das Leben wertvoll macht: Unsere Verbundenheit zu anderen Menschen, Leben teilen, uns lebendig fühlen.

Eine Frau aus einer anderen Kirchengemeinde hat einmal gesagt: „Segen bedeutet mir, dass Gott mir Kraft und Schutz gibt. Ein Teil von Gott, der immer bei einem ist. Es ist auch eine Kraft, die immer da ist.“ Segen ist eine Kraft. Eine Kraft, die immer da ist. Die wir aber vielleicht nicht immer gleich bemerken. Segen schirmt uns nicht ab. Segen ist keine Vollkaskoversicherung, die uns absichert gegen die schwierigen Momente im Leben. Abraham hat Gottes Segen empfangen. Und trotzdem erlebten er und Sara immer wieder schwierige Phasen. Trotzdem machten sie sich Sorgen, hatten Angst. Trotzdem Sie zweifelten sie – und wie! Besonders, weil Gott sein Versprechen so lange nicht erfüllt hat. Und sie einfach kein Kind bekommen haben. Unterwegs- Sein in der Finsternis. Nicht wissen was einen erwartet. Angst. Unsicherheit. Fragen. An einem Tiefpunkt, als alles für ihn finster ist. Als er nicht mehr weiterweiß, hadert Abraham mit Gott.

Ich lesen aus dem 1. Buch Mose Kap 15, 2-6. Abram erwiderte: »Herr, mein Gott! Welchen Lohn willst du mir geben? Ich werde kinderlos sterben, und Elieser aus Damaskus wird mein Haus erben.«3Weiter sagte Abram: »Du hast mir keinen Nachkommen gegeben, deshalb wird mich mein Verwalter beerben.«4Da kam das Wort des Herrn zu Abram: »Nicht Elieser wird dich beerben, sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein.«5Dann führte er Abram nach draußen und sagte: »Betrachte den Himmel und zähle die Sterne –wenn du sie zählen kannst!« Er fügte hinzu: »So zahlreich werden deine Nachkommen sein.«6Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete ihm Gott als Gerechtigkeit an.

Trotz aller Zweifel haben Abram und Sara immer wieder Gottes Segen gespürt. Immer wieder haben sie Vertrauen gefunden in Gott. Sie haben nicht aufgegeben. Gott sagt zu Abraham: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ Segen sein. Segen sein für andere. Wenn ich an das Jahr denke, das hinter mir, hinter uns als Familie liegt, dann habe ich das ganz oft erfahren, dass jemand Segen für mich war. Vor etwas über einem Jahr waren wir noch in Brasilien. Als Austauschpfarrer in unserer brasilianischen Partnerkirche. Wir sind nach Deutschland gereist, um uns gegen Corona impfen zu lassen. Wir haben jemanden gefunden, der auf unsere Katzen aufpasst, das Haus so hinterlassen, dass es ein paar Wochen ohne uns auskommt. Es war schön, nach zwei Jahren Corona die Familie und die Freunde wieder zu sehen. Und dann, kurz vor unserem Rückflug, überschlugen sich die Ereignisse und es wurde uns klar, dass wir hierbleiben werden. Das war keine einfache Zeit. Und oft wusste ich nicht, wie es weitergeht, wie wir das alles geregelt bekommen. Und ja, ich habe oft gezweifelt und mich gefragt, wo Gott ist. Aber – immer wieder habe ich auch Segen erfahren. Habe ich mich gesegnet gefühlt.  Auch durch andere Menschen. Wir wurden herzlich in unserer Nachbarschaft in Neuendettelsau aufgenommen. Unser Sohn bekam eine Lehrerin mit viel Verständnis für seine Situation. Viele Menschen waren da, die uns unterstützt haben, emotional und auch mit Dingen, die eine Familie so braucht und die wir in Brasilien zurückgelassen hatten.

Segen. Auf einem langen Weg mit vielen Unsicherheiten und Zweifeln, ob es etwas werden wird, haben wir die beiden Kirchengemeinden und ich zueinander gefunden. Segen. Dann habe ich die Kollegin kennen gelernt, die die Vertretung in den Gemeinden gemacht hat. Sie war auch im Ausland in einer Partnerkirche tätig gewesen war. Und ganz viel von dem, was mich bewegt, kennt sie auch. Segen. Dann waren da ganz viel Menschen, die mitgeholfen haben, dass wir in ein neues Zuhause einziehen konnten, in dem wir uns sehr wohlfühlen. Segen. Und unsere Nachbarn in Brasilien. Die unsere Katzen adoptiert haben, unseren Sachen für den Umzug verpackt und das Haus geräumt haben.

Segen. Abraham und Sara werden von Gott gesegnet. Das gibt ihnen Kraft. Sie brauchen Gottes Segen. Menschen brauchen Gottes Segen. Wir brauchen Gottes Segen. An einer Ampel, mitten im Stadtzentrum, klebt ein Aufkleber. Golden mit weißer Schrift.  „Ich brauche Segen“ steht darauf. Und er hängt auch in Kirchen, Schulen, auf Spielplätzen, an Bushaltestellen, usw. Und ein QR-Code ist darauf. Wenn ich den mit dem Smartphone einscanne, dann werde ich auf die Internetseite „segen.jetzt“ geleitet. Und dort erscheint immer ein biblisches oder ein freies Segenswort. Segen – in dem Moment in dem ich ihn brauche. Segen – verteilt an allen möglichen Orten, an denen Menschen vorbeigehen und vielleicht gerade Segen brauchen. Die Idee hatte eine Pfarrerin aus dem Rheinland. Als es wegen Corona die Kontaktbeschränkungen, den Lockdown gab, da hat sie ganz stark gespürt: Menschen brauchen Segen. Menschen sehnen sich nach Segen. Und so entstand das ökumenische Projekt „Ich brauche Segen“, das von zahlreichen evangelischen Landeskirchen, katholischen Bistümern und freien christlichen Werken mitgetragen wird. Auch Sie finden den QR-Code auf Ihrem Liedblatt. Und auf einem Kärtchen. Das können Sie entweder für den Fall, dass Sie Segen brauchen in Ihre Tasche stecken. Oder an jemanden weitergeben.Auf diese Weise konnten und können Menschen Segen empfangen und Segen weitergeben.

Finster ists draußen. Ich laufe auf dem Wiesenweg. Meine Schritte sind unsicher. Geräusche machen mir Angst. Da ist die Sorge: Bin ich auf dem richtigen Weg? Werde ich gut ankommen? Was wir der Weg mir bringen? Unterwegs- Sein in der Finsternis. Nicht wissen was einen erwartet. Sorge. Angst. Unsicherheit. An einem Tiefpunkt, als alles für ihn finster ist. Da wird die Finsternis für Abraham hell. Er schaut in den Nachthimmel. Er sieht die vielen Sterne. Kleine und große. Wie sie blitzen und funkeln. So viele Sterne an einem einzigen Nachthimmel. Und Abraham spürt den Segen Gottes.

Ich wünsche uns, dass wir uns in unseren finsteren Momenten an die funkelnden Sterne am Himmel erinnern können, ja, dass wir sie vielleicht sogar sehen. Ich wünsche uns, dass wir Gotte Segen spüren und erfahren können. Ich wünsche uns, dass wir uns von Gott leiten und begleiten lassen können. Ich wünsche uns in den Kirchengemeinden Absberg und Spalt und in unseren Kirchen überhaupt, dass wir nicht ver-zweifeln. Sondern uns an die Verheißung erinnern, die Gott Abraham gegeben hat. Von einer Zukunft, auch wenn wir noch nicht wissen wie genau sie sein wird. Ich wünsche uns, dass wir uns in den Gemeinden von Gottes Segen leiten und inspirieren lassen.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne. In Jesus Christus. Amen.

 

Nächste Veranstaltungen

offene Kirchenführung: mit John B. Pohler
Absberg: Rieterkirche Kalbensteinberg
Jugendgottesdienst Open Air am Kreuzhügel bei der Vogelinsel am Altmühlsee
Dazu lädt die Jugend im Dekanat Gunzenhausen ganz herzlich ein

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offene Kirchenführung: mit Melanie Schneider
Absberg: Rieterkirche Kalbensteinberg
offene Kirchenführung: mit Dr. Daniel Schönwald
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Gott neu erleben – mehr Hoffnung wagen!
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